Sonntag, 4. Dezember 2011

Ariadne auf Naxos - Staatsoper Hannover

©Sarah-Maria
Tja ja, besser spät als nie in der Oper ankommen ist die Devise – und doch irgendwie sehr traurig, wenn man am Premierenabend noch eine knappe halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn Studenten-Karten im vorderen Parkett bekommt – und dann die Plätze neben einem auch noch frei bleiben…. Von der Publikums-Anzahl her, hätte man meinen können, dass man sich in einer Mittwochs-und-schon-acht-Mal-diesen-Monat-gespielt-Vorstellung befand, doch es war Samstagabend und die Premiere von Richard Strauss „Ariadne auf Naxos“ in der Staatsoper Hannover.

Insgesamt habe ich den Abend durchwachsen in Erinnerung: musikalisch gab es durchaus Highlights. Allen voran Karen Kamensek am Dirigentenpult! Sie hat die Oper mit der nötigen Poesie, Ironie und Tiefe dirigiert. Und gleich danach Julia Faylenbogen als Komponist. Sie hat einen Mezzosopran, der mir direkt unter die Haut ging und sie wusste ihre Partie durchaus mit Spannung zu gestalten. Gut, aber nicht so gut, wie dem Rest des Publikums, das die Zerbinetta mit dem meisten Applaus und Bravi bedacht hat, hat mir Ina Yoshikawa gefallen: ich fand ihre Koloraturen mitunter ein wenig sehr fragil und dünn. Wesentlich aussagekräftiger und differenzierter hat mir da Brigitte Hahns Ariadne gefallen.

Der Musiklehrer (Stefan Adam) war auch nicht von schlechten Eltern, konnte aber rollenbedingt, nicht sooo viel von sich zeigen. Ähnlich ging es da Robert Künzli (Der Tenor/ Bacchus). Die beiden Gruppen a) Liebhaber und b) Nymphen haben mich stimmlich beide nicht vom Sockel gehauen, waren aber durchaus passend besetzt.

Tja, und dann kam die Regie ins Spiel: kann mir mal einer erklären, warum man ein Regieteam (Inszenierung: Ingo Kerkhof, Bühne: Anne Neuser) engagiert, das erstmal die Bühne halbiert, um davon dann noch ein gutes Stück abzuziehen - und das dann immer noch damit überfordert ist, die verbleibenden paar Quadratmeter mit einem in irgendeiner Hinsicht interessanten Bühnenbild zu füllen?

Und eben jenes Bühnenbild (ein langer Tisch) hat sich im Grunde über den Abend nicht bzw. kaum geändert – es kamen mitunter ein paar Elemente (überdimensionale Blumen, ein Bett auf dem Tisch, usw.) hinzu, aber ansonsten hatte es sich dort eben so eingerichtet. Abgetrennt vom Rest der Bühne wurde es mit zwei großen, halbdurchsichtigen Raumteilern, hinter denen z.B. mitunter mal die Nymphen in Hochzeitskleidern tanzten oder ähnliche Spielereien stattfanden. Insgesamt waren die Kostüme (Inge Medert) aber weder schön noch sonderlich originell.

Alles in allem war das Konzept ziemlich dünn und ohne verfolgenswerte Ideen in Sachen Kulissen, Personenregie oder Interpretation des Stücks. Es fehlte an der nötigen und durchaus deftigen Tiefe und der Spannungsbogen zwischen echter Tragik, Parodie und Komik konnte nicht gefunden werden. Insgesamt gab’s ein paar Gags, dessen Wirkung gingen aber eher auf die Kappe des Librettisten Hugo von Hofmannsthal und/oder des Komponisten Richard Strauss, als auf die des Regieteams. Aber immerhin: am Ende gab’s dann doch noch ein visuelles Highlight: nämlich ein wirkliches Feuerwerk! :) Yuppie!

Das Regieteam wurde für seine Arbeit mit diversen, jedoch eher leidenschaftslosen Buhs und verhaltenem Applaus bedacht: vielleicht die unschönste Publikumsreaktion, die man bekommen kann: eine Mischung aus Ablehnung und Gleichgültigkeit.
  
P.S.: ach so, und man sollte in jedem Fall recht textsicher sein, denn die Übertitel wurden auf Teile der Kulissen (die beiden Raumteiler) projiziert, was ja an und für sich eine nette Idee war, jedoch sollte man, wie sich eindrucksvoll gezeigt hat, vorher keinesfalls vergessen das mit der Beleuchtung abzusprechen, denn auf der Bühne waren die Scheinwerfer so eingestellt, dass es viel zu hell war, um irgendetwas erkennen zu können. Zumindest von meinem Sitzplatz aus – ob es einen günstigeren Sichtwinkel im Opernhaus gab, kann ich nicht beurteilen.

Kommentare:

  1. Ich habe den Abend genossen. Wenn man die Oper noch nicht kennt, fallen einem etwaige Schwächen der Regie nicht so sehr auf, aber sicher kann man aus dem Material mehr machen. Besonders gegen Ende des Abends. Das Orchester hat die verschiedenen Opernstile (von Wagner bis Belcanto) prima herausgearbeitet. Die Sänder fand ich durchweg solide... die Kolorationen der Zerbinetta schienen auch mir etwas am Limit gesungen.. sind aber eben auch sehr schwer.

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  2. Ach, liebe Sarah, da schalte ich eben das Radio ein, und was kommt: genau: die Besprechung dieser Aufführung im DeutschlandfunkRadio. Und die stimmt überraschend mit deiner exakt überein! Im Guten wie im Bösen.
    Da mußte ich doch schmunzeln!
    SChönen Gruß
    Walter

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  3. @Walter Brusius: Da ist wohl offenbar noch jemand meiner Meinung...:D Aber ich war schneller! ;) Die haben ihren Bericht erst nach meinem Blogeintrag gesendet. :D

    @J: Ja, die Zerbinetta hatte nicht die einfachste Rolle.... aber die Rolle lebt ja nunmal gerade davon, dass die Koloraturen mit Leichtigkeit sauber herausgesungen werden. Daher fand ich's schon ein wenig schade, zumal sie an und für sich einen echt schönen Sopran hat. Na ja, aber das hat dem Abend nun wirklich keinen erheblichen Abbruch getan.

    Der Regie hingegen hätte wirklich ein bisschen mehr Einfallsreichtum gut getan - auch wenn sie, und da hast du vermutlich Recht, für die aller erste Ariadne nicht sooo schlecht ist, da sie zumindest einleuchtend die Geschichte erzählt.... ;) Und man daher immer gut im Geschehen mitkommt - was ja beim Hardcore-Regietheater nicht immer der Fall ist. ;) Und: die Oper lässt sich für dich noch steigern! ;)

    Und by the way: mich würde mal interessieren, ob nur ich das Problem hatte die Übertexte nicht lesen zu können oder ob es dir auch so ging?

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  4. Ich war in der öffentlichen Generalprobe und war bitter enttäuscht von der dilettantischen und einfallsslosen Regie und dem plump dahingestelltem Bühnenbild. Ein absolut altbackener und wirklich auch szenisch langweiliger Abend, als hätte das Regieteam überall in anderen Inszenierungen mal da ein wenig und mal da ein bisschen abgeguckt. Schon der erste Auftritt der "Sprecherin im Bärenfell", was wohl als megawitzig angedacht sein sollte, war zum einen sprachlich aufgrund des scheinbar extrem gewollten (oder leider nicht zu unterdrückenden) Akzentes kaum verständlich für die Zuschauerohren, ich saß im 2. Rang Seite direkt schräg an der Bühne. Also, entweder hatte die "Darstellerin" zuviel Katharina Thalbach als einstigen Einspringer für Harald Juhnke im Berliner "Hauptmann von Köpenick“ geschaut oder welche Posse zur Publikumsaufmunterung sollte das sein?
    Die Personenregie, tja, die gab es gar nicht, ich hätte meinen können, die Inszenierung bewege sich noch mitten in den Proben (nicht zu verwechseln mit der tatsächlichen Handlung der "Oper in der Oper"), Fr. Hahn als Ariadne hatte kaum einen Leitfaden von der Regie ausser angenervt zu gucken, wenn Zerbinetta sich näherte. Dieses CanCan-Trallalla von Najade, Dryade und Echo auf Schülertheatergruppenniveau war lächerlich, warum Bacchus nun ne Perücke und Schuhe wie eine morgens um 6 Uhr übriggebliebene alkoholabgefüllte Transe tragen muss , blieb mir auch unerschlossen, der lange Tisch, wo alles dran rumsitzt, erinnerte mich eher an die Berliner Volksbühne mit Tschechows "3 Schwestern", von Castorf inszeniert, aber dort machte das wenigstens Sinn. Ich hatte mir erlaubt, an die Hannoveraner Staatsoper Abt. Öffentlichkeitsarbeit und Dramaturgie mal so ein Resümee über meine Eindrücke zu schreiben. Ich weiss, man kann es nie allen recht machen, da aber die Hannoveraner Staatsoper mit Ausnahme der tollen "Traviata" sonst scheinbar massiven Besucherschwund hat und ich (seit einem 1/2 Jahr dort erst hingehend) regelmässig ein max. halbvolles Haus nur vorfinde (sogar bei den Ring-Vorstellungen), sollte so mancher Entscheidungsträger dieses Hauses mal inpuncto Künstlerauswahl in sich gehen oder zumindest mehr Augenmerk während der täglichen Arbeit walten lassen. Ich habe "Ariadne" schon oft genug gesehen, sicher mal ganz toll, mal nicht ganz so..., aber DAS: war echt ein Schuss in den Ofen...und wirklich NICHT sehenswert.

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  5. Ja, ich hatte in Hannover auch noch nie Probleme Karten zu bekommen - auch nicht, wie man sieht, wenn ich kurz vor knapp und zu einer Samstag-Abend Premiere komme. Abgesehen davon habe ich an der Studi-Abendkasse auch noch nie andere Studenten gesehen - was durchaus ungewöhnlich ist, wenn man bedenkt, dass z.B. die Schlangen in Berlin 20 Meter Minimum lang sind.

    Die Traviata habe ich in Hannover leider nicht gesehen, kann aber wiederrum "Die Liebe zu den drei Orangen" empfehlen. ;)

    Den Ring habe ich nach der Walküre aufgegeben: ich konnte mich einfach nicht aufraffen für den Siegfried und die Götterdämmerung in den Zug zu steigen.... Und das heißt schon was. Die Regie war für mich eine aneinander Reihung von inhaltsleeren Provokationen der Provokationen willen und um über die gähnende Leere und Ideenlosigkeit im Konzept hinwegzutäuschen. Aber was erwartet man auch von einem Regisseur, der vorher öffentlich verkündet, dass er Wagner nicht mag.

    Im Ring (bzw. das, was ich davon gesehen habe) haben mich zwar die musikalischen Leistungen nicht sonderlich überzeugt, dennoch - und im Fall der Ariadne allemal - finde ich so eine Mist-Regie auch immer schade für alle anderen Mitwirkenden. Denn gerade die Ariadne hatte vom musikalischen Niveau her durchaus einiges zu bieten. Aber Oper ist nunmal ein Gesamtkunstwerk und wenn ein Teil - in diesem Fall die Regie - ein Totalausfall ist, kann der Rest darüber einfach nicht so einfach hinwegglänzen.....

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  6. Hallo Sarah

    was Deine Frage zu den Texten betrifft. Ich habe mit den Übertexten kein Problem gehabt - zudem ich es auch verständlich gesungen erschien.

    Apropos verfügbare Karten (siehe den Kommentar von Walter). Komme gerade aus der Madame Butterfly zurück: 30 min vor Beginn reichlich Tickets in allen Klassen zu haben. Schade, denn das ist nun wirklich eine sehr schöne Inszenierung, die heute mit Ms. Noah als Butterfly auch toll besetzt war. J.

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  7. Stimmt, die Sänger haben durchweg sehr verständlich gesungen und scheinbar gibt es zum Lesen der Übertitel wirklich bessere Sicht-Winkel im Opernhaus....

    In die Butterfly wollte ich gestern eigentlich auch gehen, zumal es ja die letzte Vorstellung in der Spielzeit war. Ich habe aber leider nicht rechtzeitig den Sprung in den Zug geschafft. :(

    Und da scheine ich ja richtig was verpasst zu haben! Schade.... Aber vielleicht habe ich ja Glück und die Oper taucht auf dem Plan der nächsten Spielzeit wieder auf....

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