Mittwoch, 31. Oktober 2012

Sonntag, 28. Oktober 2012

Lady Macbeth von Mzensk - Staatsoper Hannover

Nach einer unfassbar guten Ausstellung im Hannoveraner Kunstverein (Hans Op de Beeck | visual fictions), war ich einigermaßen skeptisch, ob der Tag so positiv weitergehen konnte. Zumal ich mit einer nicht zu verbergenden Skepsis auf die Regie gespannt war. Denn das, was ich zuletzt von Frank Hilbrich gesehen habe, fand ich…. mhm… nicht so gut - um es mal sparsam auszudrücken.

Jedenfalls. Konnte er!

"'Lady Macbeth' handelt auch davon, wie Liebe sein könnte, wenn nicht ringherum Schlechtigkeit herrschte. An diesen Schlechtigkeiten ringsum geht die Liebe zugrunde. An den Gesetzen, am Besitzdenken, an der Geldgier, an der Polizeimaschinerie. Wären die Verhältnisse anders, wäre auch die Liebe eine andere,“ so Schostakowitsch über seine Oper. (Und hier habe ich dazu noch mehr geschrieben).

Das Regieteam (Frank Hilbrich – Inszenierung; Volker Thiele – Bühne; Gabriele Rupprecht – Kostüme) verlagerte die Handlung in ein modernes Unternehmen - was durchaus passte. Die Protagonisten bewegten sich in biederen engen Räumen, die auf einer erhöhten Drehbühne waren. Und auch wenn ich ja eigentlich kein Fan davon bin, die Bühne teilweise abzuhängen und/ oder künstlich zu verkleinern, fand ich das in dem Fall ein wirklich tolles Bild. Es unterstrich die gähnende Langweile gepaart mit dem inneren Drang nach Ausbruch und Leben. Sie war das Korsett in dem sich alles abspielte.

Jovial und mit Lust nach Abenteuer forderte Katarina Sergej heraus mit ihr zu kämpfen - und das just nachdem er zusammen mit einem ganzen Mob von Männern die Putzfrau (Köchin) des Hauses brutal vergewaltigt hatte. Unterbrochen vom Schwiegervater setzten Katerina und Sergej ihr Spiel am Abend in ihrem Schlafzimmer fort.

Schostakowitsch war übrigens der erste, der eine Sexszene auskomponiert hat. Die Musik ist an dieser Stelle pulsierend, pur, laut und natürlich nicht zuletzt rhythmisch. Jenseits von LEIDENschaft. Dafür befreiend. Orgastisch. Die sich anschließende Entspannung, mit der ihr immanenten abfallenden Erektion, vergaß er in der Partitur ebenfalls nicht. Hilbrichs insgesamt sehr realistischen Regie, sparte auch hier nicht mit Bildern – und zur weiteren Illustrierung standen die Bläser halbnackt um das Bett herum. Es ging also ordentlich zur Sache.

Im Nebenzimmer holte sich derweil der Schwiegervater Boris einen runter und beklagte seine altersbedingt schwindende Manneskraft. Anschließend, quasi als Konsequenz, musste Sergej dran glauben: Boris peitschte ihn im Blutrausch halbtot. Noch im blutverschmierten Hemd verlangte er von Katerina sie solle für ihn Pilze kochen. Was sie auch tat: Er bekam von ihr seine Mahlzeit allerdings zusammen mit einer Prise Rattengift.

Sergej und Katerina traten nun aus den beengten Räumen und standen auf der leeren Bühne. Die Möglichkeit zur Neugestaltung. Quasi ein unbeschriebenes Blatt Papier. Doch die Verhältnisse holten sie schnell wieder ein: Katerinas Mann kam zurück nach Hause. Einen anderen Handlungskanon als ihn kurzerhand zu ermorden, sahen sie offenbar nicht. Und erledigten dies auch noch äußerst brutal unmittelbar. Katerina würgte ihn mit einem Gürtel zu Boden, um ihm dann mit einem Kissen den Rest zu geben. Er lag schon tot da, als Sergej nochmal mit einem schweren Messingständer nachschlug. Nun hievten sie ihn in den Keller, wo er kurz darauf entdeckt wurde. In Folge wurden die beiden an ihrem Hochzeitstag gestellt und verhaftet. Währenddessen kullerten jede Menge (Paradis)Äpfel über die Bühne. Die ihre "Vertreibung" ankündigten.

Soweit so gut. Die bis dahin äußerst eindrückliche, hochemotionale und packende (Personen)Regie, verflüchtigte sich leider an dieser Stelle. Im Grunde kastrierte sie die revolutionäre Sprengkraft der Oper. Den umsichschlagenden wütenden Wunsch nach Freiheit. Denn es wurde nun jede Menge Müll auf die Bühne geblasen – später auch vom Schnürboden gekippt. Tote Ratten, die auch schon zu Beginn der Oper von den Protagonisten verschlungen wurden, kamen nur gehäuft vor. Beides diente als Sinnbild der animalischen Verrohung und menschlichen Abgründe. Das sibirische Straflager war eine Müllkippe, in der Konventionen keine Rolle spielten. Die Zwänge sich auflösten. Also, ziemlich genau das Gegenteil davon, was Schostakowitsch im Sinn hatte.

Trotzdem. Zugute halten muss man, dass es weiterhin spannend in der Personenregie blieb und das Bühnenbild zudem auch noch spektakulär anzusehen war. Die Beleuchtung im seichten Bühnennebel ließ den Müllberg recht poetisch daherkommen. Und. Die Besetzung war schlicht genial! Sowohl stimmlich – als auch optisch passten die komplette Sängerriege perfekt in die Oper und Szenerie.

Die Rolle der Katerina wurde von Gitta-Maria Sjöberg emotional tiefenintensiv gesungen – und gespielt! Für letzteres ein Extra-Wow, denn sie hatte als Einspringerin für die erkrankte Kelly God gerade mal einen einzigen Probentag! Ihr Liebster Sergej wurde von dem annähernd zwei Meter großen, breitschultrigen, ja sexy Alexey Kosarev gespielt und gesungen, als wenn die Rolle eigens für ihn geschrieben wurde. Schwiegervater Boris (Per Bach Nissen) und sein Sohn Sinowi (Ivan Turic) waren ebenfalls einwandfrei besetzt. Zusammen mit dem perfekt nervenreißend hämmernd und dennoch filigranen Dirigat von Karen Kamensek ein echtes Fest!

Samstag, 20. Oktober 2012

Livestream aus Wien: La cambiale di matrimonio

Morgen, am 21. Oktober, streamt das Theater an der Wien die Premiere von Rossinis Oper "La cambiale di matrimonio". Los geht’s um 19:30h bei sonostream.tv.

Es spielt das Wiener Kammer Orchester unter der Leitung von Konstantin Chudovsky in der Regie von Jacopo Spirei (Inszenierung) und Nikolaus Webern (Ausstattung).


Besetzung:
Tobia Mill: Igor Bakan
Fanny: Anna Maria Sarra
Edorado Milfort: Andrew Owens
Slook: Ben Connor
Clarina: Gaia Petrone
Norton: Oleg Loza

La cambiale di matrimonio oder auch der Heiratswechsel verfasste Rossini im Alter von 18 Jahren. Die Oper feierte am 10. November 1810 im Teatro San Moisè in Venedig ihre Uraufführung. Einige Hintergrundinformationen und die Handlung findet ihr hier....


Montag, 15. Oktober 2012

Freitag, 12. Oktober 2012

Salome - Staatstheater Oldenburg

Kurz. Knapp. Und mit einer enormen, irgendwie epischen Motivvielfalt. So ist die Salome – perfekt. Sie gehört zu meinen Lieblingsopern. Irgendwie klar daher, dass ich mir die gestrige Premiere in Oldenburg nicht hab entgehen lassen!

Die musikalische Leitung hatte der frisch gebackene oldenburgische Generalmusikdirektor Roger Epple inne; und was soll man sagen…. Chapeau! Da darf man sich auf einige geniale Opernaufführungen in Oldenburg freuen. Er führte sein Orchester äußerst präzise und zugleich filigran durch die sich ineinanderfächernde Motivvielfalt.

Und was für eine Salome! Allison Oakes - den Namen sollte man sich schonmal merken. Ich bin sicher, dass man von ihr in Zukunft noch einiges hören wird. Hoffentlich! Sie hat die Salome mit einem solch eindringlichen Ausdruck gesungen, dass die Gänsehaut gar nicht mehr wusste, wo sie noch hin soll vor lauter Gänsehaut.... Schaut mal auf ihrer Website vorbei. Da gibt’s einige Ausschnitte zu hören. Zusammen mit Derrick Ballard (Jochanaan) war der Abend einfach perfekt! Denn ich steh total drauf, wenn der Jochanaan schön bassig im Kontrast zur Salome gesungen wird. Das passt so schön zu den fast schon lyrischen Leitmotiven des Jochanaan..... Albert Bonnema als Herodes, Saskia Klumpp als Herodias sowie Daniel Ohlmann als Narraboth komplettierten das wirklich großartige Sängerensemble.

Das Regieteam - K.D. Schmidt (Inszenierung), Maren Greinke (Bühne), Britta Leonhardt (Kostüme) – legte die Szenerie in einen sich im Verfall befindenden Repräsentationssaales des Königreiches von Herodes. Leichtbekleidete Mädchen begleiteten Soldaten, einfache Bürger und die Herrscher auf ihrem gemeinsamen Weg dem Untergang entgegen. Alle Figuren waren stets auf der Bühne. Somit geiferte nicht nur Herodes Richtung Salome, sondern der komplette (Hof)Staat suhlte sich in Lust, während Salome die Hüllen fallen ließ. Dies tat sie in der Regie allerdings nicht tatsächlich. Genau genommen hat sie nichteinmal getanzt, sondern ihr Innerstes wurde dem Zuschauer gezeigt: Sie setzte sich zunächst zwischen ihre Mutter und Herodes, kuschelte sich an die Mutter, wünschte sich Versöhnung zwischen den beiden. Die Sehnsucht nach Kleinfamilienidylle.... Doch als sie schließlich ihre Ohnmacht diesbezüglich und ihre Macht andersbezüglich erkannte, ließ sie die Herren vor Geilheit hecheln - sich die Klamotten vom Leib reißen. 

Der Tanz ist in dem Konzept für Salome etwas wie eine Reise zu sich selbst. Das Verlangen nach dem Kopf des Jochanaan, als Symbol für den endgültigen Todesstoß für das Reich Herodes, ist in der Oldenburger Inszenierung nicht nur ein Akt der Emanzipation, sondern auch der Wille sowie die Möglichkeit zur Neuordnung der Verhältnisse. Die Regie schließt mit dem gemeinsamen Aufbruch Salomes und Jochanaans in eine neue Zeit.

Die Idee ist echt gut! Wirklich gut! Zusammen mit der eindringlichen Personenregie, gepaart mit wirklich starken und bedeutungsschwangeren Bildern eine tolle Produktion. Dennoch. Ich persönlich mag die Salome as evil as possible. Für mich macht die Salome erst in ihrem Extrem Sinn; wenn die beiden Gegenpole Salome und Jochanaan im Unterbewusstsein rühren. Die, mhhm…. ja sozusagen Vermenschlichung der Salome passt mir daher nicht wirklich in den Kram. Aber das ist Geschmackssache.

Am Ende gab's jede Menge Applaus für alle Beteiligten und etliche Bravo, Brava und Bravi. Zu Recht! 

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Livestrams aus der Bayerischen Staatsoper

Auch in dieser Saison streamt die bayerische Staatsoper einige ihrer Produktionen live und völlig kostenlos im Internet. Den Auftakt wird Jörg Widmanns Oper „Babylon“ am Samstag, den 03. November machen: Unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano und in der Inszenierung von Carlus Padrissa – La Fura dels Baus werden u.a. Claron McDadden, Anna Prohaska, Jussi Myllys, Willard White und Gabriele Schnaut zu sehen sein.

Weiter Termine sind:
25. November 2012
Giacomo Puccini
Turandot
(Marco Armiliato, Iréne Theorin, Ulrich Reß, Alastair Miles, Younghoon Lee, Serena Farnocchia)

13. Dezember 2012
John Neumeier/Peter I. Tschaikowsky
Der Nussknacker  
(N.N.)

30. Dezember 2012
Giuseppe Verdi
Rigoletto
(Marco Armiliato, Joseph Calleja, Franco Vassallo, Patricia Petibon)

9. März 2013
Leoš Janáček
Jenůfa 
(Tomas Hanus, Renate Behle, Stefan Margita, Pavel Cernoch, Gabriele Schnaut, Karita Mattila)

20. April 2013
Richard Wagner
Der fliegende Holländer

(Asher Fisch, Rafal Siwek, Anja Kampe, Klaus Forian Vogt, Johan Reuter)  

11. Mai 2013
Giuseppe Verdi
Macbeth
(Maimo Zanetti, Zeljko Lucic, Nadja Michael, Diogenes Randes, Golda Schultz, Wookyung Kim, Emanuele D’Aguanno) 

1. Juni 2013
Terence Kohler
Helden

 
Juli 2013
Stream einer Festspielaufführung
Termin wird noch bekannt gegeben