It’s Ring-Time, Baby! – zumindest in Hamburg.... Klar, dass das nicht ohne mich stattfindet. :D
Die Regie von Claus Guth beginnt in einer verwüsteten Welt. Die drei Rheintöchter, welche von Katerina Tretyakova, Maria Markina und Ann-Beth Solvag
(Einspringerin für Rebecca Jo Loeb) wunderbar gesungen und gespielt
wurden, befanden sich auf einem überdimensionalen Bett, in einem
Zuhause, welches verwüstet und verlassen zusammen mit ihnen
zurückgelassen wurde. Man hatte den Eindruck, dass der Ring dort
beginnt, wo er schließlich auch endet. Die Weltuntergangsstimmung ist
von Anfang an zu spüren. Alberich - genial gesungen von John Wegner.
Sehr stimmgewaltig und mit einer wunderschönen Stimmfarbe – betritt die
Szene mit Schutzanzug und Desinfektionsrucksack auf dem Rücken. Die
Rheintöchter spielen nun ihr infantiles Spiel mit Alberich, der
bekanntermaßen schließlich zugunsten des Goldes der Liebe entsagt. Dies
ist übrigens eine meiner Lieblingsstellen im Rheingold bzw. sogar im
ganzen Ring - und John Wegner hat sie mit so viel Ausdruck gesungen,
dass es mir fast das Herz rausriss. Genial! Schon allein dafür hat sich
der Abend gelohnt.
Weiter ging’s mit den Göttern, die in einer
Dachkammer äußerst spießbürgerlich verweilten. Mittendrin ließ sich
Wotan auf einer Plattform aus, indem er dort die ersten Anfänge seiner
Weltvorstellung modellierte. Jene wurde im Spielverlauf auch immer
wieder selbst zur Kulisse. Der Göttervater wurde von Falk Struckmann eindrucksvoll und mit genug Donner in der Stimme gesungen. Seine Frau Fricka, Lilli Paasikvi, interpretierte ihre Rolle stimmlich und darstellerisch sehr überzeugend. Einzig Peter Galliard
als Loge hat mich stimmlich nicht vom Hocker gehauen. Für mich ist er
zudem, durch seinen echt passenden Mime im Siegfried, halt auch einfach
irgendwie Mime. Jener wurde gestern übrigens von Jürgen Sacher
gesungen und er sorgte in seiner eher kleinen Partie für Highlights. Man
nahm ihm den von Alberich gequälten und unterdruckten Handlanger sofort
ab und durch seine, an einigen Stellen geradezu lyrisch klingende,
Interpretation sorgte er durchaus für Gänsehaut. Die beiden Riesen
Fasold (Wilhelm Schwinghammer) und Fafner (Jyrki Korhonen
(Einspringer für Ayk Martirossian)) wirkten mit ausgepolsterten
Oberkörpern, Goldkettchen und ordentlicher Stimmführung durchaus
gewaltig und Vida Mikneviciute brachte eine stimmschöne Freia auf die Bühne.
In
Nibelheim, das in einem Heizungskeller untergebracht war, baute
Alberich auf einer Architektenplatte (nennt man das so? Jedenfalls meine
ich das Teil, auf dem Architekten ihre Pappmodelle aufbauen) seine
eigene Vorstellung der Welt auf. Was Wotan sichtlich nicht passte und
dem Ausdruck verlieh, indem er eines der Häuschen achtlos zu Boden warf.
Die Verwandlungen zur Riesenschlange und zur Kröte wurde mithilfe von
jeder Menge Dampf und der Heizungsraumkulisse charmant komisch
inszeniert. Schließlich konnte Freia, wie gewohnt, erst nicht und dann
doch, durch die Überzeugungskraft von Erda, gesungen von einer auch
stimmlich überzeugenden Deborah Humble, zurückgetauscht werden.
Fafner erstach Fasold und die Götter zogen in Champagnerstimmung und mit
den Klagen der Rheinschwestern im Hintergrund in Walhall ein.
Die Publikumsreaktionen waren durchweg positiv. Simone Young
und ihre Hamburger Philharmoniker wurden mit dem meisten Applaus
bedacht. Mir hat das Dirigat auch sehr gut gefallen, auch wenn es mir
hier und da etwas zu donner-dominant war. Ein weniger mehr Hang zum
Filigranen gefällt mir persönlich einfach besser.
Ein rundum
gelungener Abend! Wobei ich jetzt auch nix anderes erwartet habe,
schließlich habe ich das Hamburger Rheingold, in meist ähnlicher
Besetzung, nun zum 4. Mal gesehen – wobei ich’s somit noch am seltensten
von den vier Ring-Teilen gesehen habe. ;)
Sonntag, 29. Januar 2012
Das Rheingold - Staatsoper Hamburg
4 Kommentare:
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Ich freu mich immer, wenn ich etwas Gutes von John Wegner höre. Seine erstes Engagement in Deutschland hatte er ab 1992 in Karlsruhe, wo er wirklich sehr gut sang und einer meiner ersten Lieblingssänger war. Vor allem als Wotan, Jochanaan (Strauss' Salome)und Alfio (Cavalleria rusticana) habe ich ihn stark in Erinnerung. Schön, daß er 20 Jahre später noch für große Momente sorgt!
AntwortenLöschenIch kenne John Wegner bisher nur aus dem Hamburger Ring, würde das aber sehr gerne ändern.... Ich hoffe, dass ich ihn auch noch mal in anderen Rollen zu sehen bekomme. :)
LöschenHab Die Oper leider noch nie gesehen.
AntwortenLöschenIch hoffe, dass Wagner mal wieder ein bißchen mehr in Münster auf den Spielplan kommt
Unsere nächste Vorstellung wird "Die Banditen" von Offenbach sein, die Kritik der Premiere war nicht so berauschen, aber oft habe ich einen ganz anderen Eindruck als die Zeitungsschreiber.
Lassen wir uns mal überraschen.
Wagners Ring ist ein ganz besonderes Erlebnis, aber leider auch sehr aufwendig und unglaublich teuer. Dafür muss ein Opernhaus schon ein wenig rechnen.... Aber im nächsten (Wagner)Jahr werden da sicherlich so einige Wagner-Opern rauf und runter gespielt. ;)
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