Samstag, 28. Januar 2012

Tannhäuser - Staatsoper Hannover

©Sarah-Maria
Boah, war das scheiße.

Aber würdigen wir mal zunächst diejenigen, die nüschts bzw. wenig dafür können, nämlich die Künstler: stimmgewaltig und mit einem Hauch von Domina hat mir die Interpretation von Khatuna Mikaberidze Venus sehr gut gefallen. Und auch das Dirigat von Ivan Repušic konnte durchaus punkten. Er verstand es den Wagner-Mix aus zarten Klängen und überschäumenden Wellen zu bändigen und differenziert ineinander klingen zu lassen. Sehr schön! Besonders die Ouvertüre war sehr gelungen. Weiter lässt sich noch viel Positives von Stefan Adam als Wolfram von Eschenbach, welcher übrigens auch nahezu den meisten Applaus abgesahnt hat, und Albert Pesendorfer als Landgraf vermelden.

Weitaus weniger gut hat mir Robert Künzlis Tannhäuser gefallen, obwohl er vom Publikum ziemlich abgefeiert wurde. Gut, ich habe ihn zum ersten Mal in der Rolle gesehen und kenne den Sänger auch sonst nicht besonders gut, daher halten wir ihm mal zugute, dass er sich vor dem dritten Aufzug als kränkelnd ankündigen ließ. Insgesamt fehlte mir aber in seiner Interpretation das Volumen und die Leidenschaft. Mich hat’s insgesamt irgendwie nicht mitgerissen. Ähnlich erging es mir da mit Brigitte Hahns Elisabeth. Zwar gab es in den ruhigen nachdenklichen Szenen einige wunderschöne Klänge, jedoch fehlte mir da irgendwie ein wenig Dramatik und Despair in ihrer Interpretation. Das mag aber durchaus nicht nur an der Interpretin, sondern durchaus auch an der sau-dämlichen Inszenierung (Philipp Himmelmann) gelegen haben, die den Sängern nicht viel Spielraum für Gutes gab.

Begonnen hat das Desaster auf gefluteter Bühne, mit einer Venus, die in blaugrauen sackartigem Kittel mit schwarzen Seidenstrümpfen beschriebene Papierseiten im Wasser verteilte. Rundherum waren Tribünen mit ebenso blaugrauen Hartschalensitze aufgebaut. Sprich: schön war’s nicht. Und um ehrlich zu sein habe ich auch nicht kapiert, was das sollte…. Bis von oben schließlich eine Fläche mit Kunstrasen hinunterschwebte und den Venusberg deckelte. Da war’s für mich klar: okay, also gibt Tribünen und davor eine Rasenfläche. Soll also wohl ein Fußballstadion sein?! Also war die Venus eine Art Hausmeister in Strapse? Oder hatte sie ein Männerhemd von einem ihrer Liebhaber an, während sie in den Spielerkabinen/ -duschen ihr Unwesen treibt? Oder wie oder was? Ich hab’s ehrlich und echt nicht kapiert….

Nun ja, irgendwann hatte ich mich damit abgefunden, dass ich die Regie weder verstehe noch wenigstens ganz hübsch anzusehen finde, bis dann der Sängerwettstreit auf dem Plan stand und der Chor, mit anfänglichen Schwierigkeiten gemeinsam zu singen, auf die Bühne/ Spielfeld trat: die Männer waren jeweils mit einem Schwert ausstaffiert und die Frauen mit weißen Lilien (als Zeichen von Jungfräulichkeit, wie ich annehme). Jene wurden nun von den Männern zu Boden befohlen und anschließend wurde eine Dame ins Geschehen gezerrt, die mit einem Schild um den Hals mit der Aufschrift „Ich habe Lust empfunden“ gedemütigt sowie mit Peitschenhieben bestraft wurde und schließlich ihre Klamotten auch noch dran glauben mussten. Pfff. Ich weiß gar net so genau, was ich dazu sagen soll, außer: Thema verfehlt…. Irgendwie geht’s darum halt nicht im Tannhäuser. Sicher, man kann alles irgendwie, wenn man lange genug am Stoff zerrt, an den Haaren herbei ziehen. Aber, ach. Echt?! Musste das sein?!

Im Anschluss ging’s erstmal mit einigen Ärgernissen für die Augen weiter: das Lieschen, vorhin noch brünett und im beigen Trenchcoat, ham ´se in ein froschgrünes Kleid mit wikingerroten Zöpfen gesteckt und der Rest vom Fest, blamierte sich in (z.T. rosafarbenen) dumpfbackigen Kostümen im Mittelalter-Style. Während des ganzen Spektakels ging mir jedoch nicht die Frage aus dem Kopf, was das Ganze jetzt eigentlich mit Fußball zu tun hat - oder ob es noch andere Interpretationen für diese Kulisse geben könnte….

Immerhin kamen im dritten Aufzug erstmal keine nennenswerten neuen Ärgernisse hinzu – erstmal jedenfalls….. Die Pilger kamen wieder und der Chor hat diese Stelle gut gemeistert, was mir somit etwas Trost gespendet hat. Dann drehte halt die Elisabeth durch und nahm einer Marienstatue ihre Kleidung ab, um sie sich selbst anzulegen und sich daneben zu stellen. Und nun segelte die Rasenfläche mit samt Elisabeth-Statue gen Himmel. Zum Fußball-Gott???! Öhm. Da dachte ich mir: echt Sarah, irgendwas kapierst du da nicht! In die Idee mit dem Fußballstation hast du dich irgendwie verrannt.

Doch als dann kurz darauf der Frauenchor in weißen Nonnen-Gewändern und grünen Kränzen zur La-Ola-Welle antrat, gab’s (leider) keine Zweifel mehr…. Ich dachte noch, ich halt’s nicht aus und wollte wirklich und ernsthaft gehen. Wäre ich auch, wenn ich am Rand gesessen hätte. Tja, und: mensch, hätt‘ ich das mal durchgezogen, denn dann hätte ich noch meinen Zug bekommen und hätte im Anschluss an das Desaster nicht ziemlich genau eine Stunde im Bahnhof abschimmeln müssen. Hätte, hätte, hätte. Aber zum Glück (?) ging es einem guten Freund von mir ähnlich: der saß nämlich nach der Csárdásfürstin in Köln fest und so konnten wir immerhin – gesegnet sei die Flatrate – die Zeit vertelefonieren. Er hatte jedoch im Gegensatz zu mir einen recht erfreulichen Abend. 


Und dabei fiel mir wieder das Gespräch ein, welches wir neulich mal über die Opernpausen geführt haben und, dass man die Londoner Tradition Eis zu servieren auch mal hier in Deutschland einführen sollte. Aber im Moment würde ich für die Pausen in Hannover da eher Schnaps vorschlagen. Richtig harten Schnaps.

Kommentare:

  1. Stefan Adam kenne ich noch gut aus Münsteraner Zeiten und ich finde ihn super. Ich habe ihn hier als Beckmesser, Lindorf und Macbeth erleben dürfen und das war immer ien besonderes Vergnügen. Den Tannhäuser in Hannover werde ich mir aber sparen.

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    1. Ja, Stefan Adam konnte definitiv für einige Positiv-Highlights sorgen. Leider singt er in der verbleibenden Spielzeit nicht so viele weitere Partien in Hannover. Würde gerne mehr von ihm sehen und hören....

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  2. Na, immerhin hatte dieser Abend diese unterhaltsame Kritik zur Folge und hat mir somit Freude bereitet :) Tannhäuser hab ich mal in Mainz gesehen; war eine ähnlich erfreuliche Veranstaltung ...

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    1. Ich mag die Oper eigentlich sehr! Musikalisch habe ich mal eine nahezu perfekte Aufführung in der Deutschen Oper Berlin gesehen. Mit Petra Maria Schnitzer und Stephen Gould in den Hauptrollen. Leider gefällt mir dort die Inszenierung nicht besonders gut.... Die wiederrum finde ich in Oldenburg sehr gelungen..... ;)

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  3. Das war herzerfrischend! Viel zu selten wird in beiden Richtungen ausgeschenkt.

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  4. Das hört sich ja grausig an.
    So ein Regisseur kann einem den Operngenuß schon ganz schön vermiesen.
    Es kann ja sein, dass man besser die Augen schließt und nur noch die Musik hört, weil alles andere so daneben ist.
    Gibt es aber leider immer wieder.
    LG
    Agnes

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    1. Schön war die Regie wirklich nicht, aber die Augen mag ich auch nicht zu machen. Für mich ist Oper ein Gesamtkunstwerk und ohne eine Inszenierung fehlt mir was.... Daher kann so eine furchtbare Regie mir auch den ganzen Abend kaputt machen. :(

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  5. Albert Pesendorfer hab ich schon als tollen "Ochs" in Berlin gehört (DO) und als "Sachs" in Nürnberg-Klasse!!!-Sein "Hagen" wird allseits sehr gelobt, das möchte ich im Mai unbedingt hören!
    Gruß
    Beate

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