Mittwoch, 5. Januar 2011

CD: David Fray - Mozart

©Sarah-Maria
Ist zwar ein bisserl Off-Topic, weil es sich hierbei nicht um Oper handelt, sondern um zwei Klavierkonzerte von Mozart (22 & 25), aber was soll’s - ich hab die CD immerhin neu! ;)

Zunächst mal zu den Äußerlichkeiten: Das Cover ist hübsch, mit kunstvoll in Szene gesetzten Händen des Pianisten und ohne viel SchnickSchnack. Doch inhaltlich finde ich das Booklett ehrlich gesagt grenzgradig peinlich: erst vor zwei Tagen habe ich David Fray in einem Bericht auf 3sat über die blinde Vermarktung der Klassik schimpfen hören - in der nur Jugend, Aussehen und medienwirksamer Charme zählt. Mal abgesehen davon, dass er diese Kriterien recht akkurat ausfüllt, erfüllt er noch ein weiteres Kriterium, nach dem der Klassikmarkt seit ihm und ihren Käufern vorgeworfen wird auch nicht besser als diverse Castingshows zu sein, nahezu lechzest: der gute alte Intellekt. Ein Pianist mit Köpfchen musste also her. Und so bekommt man im ersten Absatz eines jeden Berichts über Herrn Fray unmissverständlich klar gemacht, dass der Junge quasi schon im Kindergarten Hegel und Kant gelesen hat -  womit die Sache  ja wohl ein für alle Mal geklärt zu sein hat und das altehrwürdige Kunstverständnis aller Klassikhörer gerettet sein dürfte. Kategorisch zugehörig zur philosophischen Gemeinschaft, interessieren Davids philosophische Gedanken zur Musik auch niemanden. Hauptsache sie klingen in einem Meer von  schörkeligen Adjektiven und zwei drei Andeutungen Richtung irgendwie Philosophie im Booklett mit.

Tja, dumm nur, dass ich ihn – ob als Werbeopfer oder mündiger Käufer sei mal dahingestellt – wirklich gerne mag. Seine Bach und Schubert CD steht auch schon bei mir im Plattenschrank und zudem war ich auf seinem wohl ungewöhnlichsten Konzert seit seinem Dasein als Klassik-Star: am 16.04.2010 spielte David Fray himself Mozart, Bach und Mendelssohn-Bartholdy im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe. Mit seinen wunderhübschen mintgrünen Sitzbezügen und violettem Samtvorhang dürfte es jedem gewöhnlichen 70iger-Jahre-Bau-Kritiker sofort die Sprache verschlagen. Und  wer sich jetzt fragt wo eigentlich Lingen ist, bewege seinen Blick auf der Deutschlandkarte zur niederländischen Grenze ins südliche Emsland - genau dahin wo sonst nix außer Moor ist.

©Sarah-Maria
Angesichts dieses Klassik-Highlights im kleinen Lingen, dürfte man  aufgrund der Tatsache von  Herrn Frays mitunter schonmal ausverkaufen Konzerten in diversen Klassik-Metropolen sowie extrem günstigen Kartenpreisen (erste Kategorie = unter 30 EUR!!!!)  doch schon annehmen, dass das Theater mit seinen mageren 753 Plätzen restlos ausgelutscht war. Pustekuchen: in den Seitenflügeln herrschte gähnende Leere und das Mittelschiff war jetzt auch nicht grad völlig überrannt….. Er spielte, die Leute klatschten und anschließend gingen alle nach Hause. Kein Bravo, kein frenetisches Jubeln – es hätte auch das allsonntägliche Konzert in der unweit entfernten Kreuzkirche sein können. Man konnte die Fragezeichen über seinem penibel vermarkteten Kopf förmlich sehen….. Damit wäre  das Lingener Publikum als wahres Bollwerk gegen die PR-Maschinerie ja wohl gekürt ;)

P.S.: Die CD ist super! ;)

Kommentare:

  1. wenn die Karten so supergünstig sind und der Saal trotzdem nicht ausverkauft, dann interessieren sich die Menschen in Lingen wohl eher nicht für klassische Klaviermusik, hat wohl nichts mit David Fray zu tun.

    Abgesehen davon, dass Fray hübsch und g´scheit ist, ist er auch noch der Schwiegersohn von Riccardo Muti (auch kein Schaden im Musikgeschäft).

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  2. Hah! Zum Stichwort Vermarktung hatte ich gestern ein Erlebnis - ein Freund warf einen Blick auf eine CD von Hilary Hahn und sagte spontan: "Uh, ist DIE aber unsympathisch!"

    Ich war etwas verblüfft, denn unsympathisch kam sie m.M. nach nicht rüber auf dem Cover, und wir haben überlegt, woher sein Eindruck kommt.
    "Püppi", meinte er, sei das erste, was ihm in den Sinn gekommen sei bei dem Bild - und später fiel dann der Groschen: Lolita!

    Und es stimmt leider - sie wirkt (mit ihren nun 31 Jahren) auf diesem Cover wie ein Lolitapüppchen.
    Was, wie man sieht, nicht immer gut ankommt.

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