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| ©Sarah-Maria |
Tja ja, besser spät als nie in der Oper ankommen ist die Devise – und doch irgendwie sehr traurig, wenn man am Premierenabend noch eine knappe halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn Studenten-Karten im vorderen Parkett bekommt – und dann die Plätze neben einem auch noch frei bleiben…. Von der Publikums-Anzahl her, hätte man meinen können, dass man sich in einer Mittwochs-und-schon-acht-Mal-diesen-Monat-gespielt-Vorstellung befand, doch es war Samstagabend und die Premiere von Richard Strauss „Ariadne auf Naxos“ in der Staatsoper Hannover.
Insgesamt habe ich den Abend durchwachsen in Erinnerung: musikalisch gab es durchaus Highlights. Allen voran Karen Kamensek am Dirigentenpult! Sie hat die Oper mit der nötigen Poesie, Ironie und Tiefe dirigiert. Und gleich danach Julia Faylenbogen als Komponist. Sie hat einen Mezzosopran, der mir direkt unter die Haut ging und sie wusste ihre Partie durchaus mit Spannung zu gestalten. Gut, aber nicht so gut, wie dem Rest des Publikums, das die Zerbinetta mit dem meisten Applaus und Bravi bedacht hat, hat mir Ina Yoshikawa gefallen: ich fand ihre Koloraturen mitunter ein wenig sehr fragil und dünn. Wesentlich aussagekräftiger und differenzierter hat mir da Brigitte Hahns Ariadne gefallen.
Der Musiklehrer (Stefan Adam) war auch nicht von schlechten Eltern, konnte aber rollenbedingt, nicht sooo viel von sich zeigen. Ähnlich ging es da Robert Künzli (Der Tenor/ Bacchus). Die beiden Gruppen a) Liebhaber und b) Nymphen haben mich stimmlich beide nicht vom Sockel gehauen, waren aber durchaus passend besetzt.
Tja, und dann kam die Regie ins Spiel: kann mir mal einer erklären, warum man ein Regieteam (Inszenierung: Ingo Kerkhof, Bühne: Anne Neuser) engagiert, das erstmal die Bühne halbiert, um davon dann noch ein gutes Stück abzuziehen - und das dann immer noch damit überfordert ist, die verbleibenden paar Quadratmeter mit einem in irgendeiner Hinsicht interessanten Bühnenbild zu füllen?
Und eben jenes Bühnenbild (ein langer Tisch) hat sich im Grunde über den Abend nicht bzw. kaum geändert – es kamen mitunter ein paar Elemente (überdimensionale Blumen, ein Bett auf dem Tisch, usw.) hinzu, aber ansonsten hatte es sich dort eben so eingerichtet. Abgetrennt vom Rest der Bühne wurde es mit zwei großen, halbdurchsichtigen Raumteilern, hinter denen z.B. mitunter mal die Nymphen in Hochzeitskleidern tanzten oder ähnliche Spielereien stattfanden. Insgesamt waren die Kostüme (Inge Medert) aber weder schön noch sonderlich originell.
Alles in allem war das Konzept ziemlich dünn und ohne verfolgenswerte Ideen in Sachen Kulissen, Personenregie oder Interpretation des Stücks. Es fehlte an der nötigen und durchaus deftigen Tiefe und der Spannungsbogen zwischen echter Tragik, Parodie und Komik konnte nicht gefunden werden. Insgesamt gab’s ein paar Gags, dessen Wirkung gingen aber eher auf die Kappe des Librettisten Hugo von Hofmannsthal und/oder des Komponisten Richard Strauss, als auf die des Regieteams. Aber immerhin: am Ende gab’s dann doch noch ein visuelles Highlight: nämlich ein wirkliches Feuerwerk! :) Yuppie!
Das Regieteam wurde für seine Arbeit mit diversen, jedoch eher leidenschaftslosen Buhs und verhaltenem Applaus bedacht: vielleicht die unschönste Publikumsreaktion, die man bekommen kann: eine Mischung aus Ablehnung und Gleichgültigkeit.
P.S.: ach so, und man sollte in jedem Fall recht textsicher sein, denn die Übertitel wurden auf Teile der Kulissen (die beiden Raumteiler) projiziert, was ja an und für sich eine nette Idee war, jedoch sollte man, wie sich eindrucksvoll gezeigt hat, vorher keinesfalls vergessen das mit der Beleuchtung abzusprechen, denn auf der Bühne waren die Scheinwerfer so eingestellt, dass es viel zu hell war, um irgendetwas erkennen zu können. Zumindest von meinem Sitzplatz aus – ob es einen günstigeren Sichtwinkel im Opernhaus gab, kann ich nicht beurteilen.