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Freitag, 6. Juli 2012

[Buchtipp] Martin Klessinger – „O wie ängstlich, oh wie feurig,…“


„Musik … kann auf verschiedene Weisen gehört werden; man kann sich ganz den Tönen und dem durch sie vermittelten Gefühl hingeben, oder man kann analysierend alle Einzelheiten der Komposition nachvollziehen … Doch unabhängig davon, wie man die Musik hört, je mehr man über sie weiß, umso mehr Einzelheiten wird man hören, und umso größer wird die Freude an der Musik sein.“ (aus dem Vorwort)

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das ich in den letzten Wochen immer mal wieder zur Hand genommen habe: „Oh wie ängstlich, oh wie feurig, …. – Form und Ausdruck in der Musik der Oper von Monteverdi bis Rihm.“ Geschrieben von Martin Klessinger.

Das Buch ist kein klassischer Opernführer in dem die Handlungen wiedergegeben werden, sondern richtet sich vor allem an diejenigen, die ihr Wissen vertiefen möchten. Die musikalische Intention und Aussagekraft seht hierbei im Mittelpunkt. Martin Klessinger führt in einer detaillierten und wissenschaftlichen Analyse durch die Themen und zeichnet anhand der Musikgeschichte die Entwicklung und Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks in drei Teilen nach:

Musikalische Formen
Der erste Teil widmet sich der Entwicklung der musikalischen Formen Rezitativ, Arie, Ensemble und Finale. Veranschaulicht wird dies durch zahlreiche Musikbeispiele aus der Operngesichte.
„Musik erklingt in der Zeit, jeder Ton hat nur eine endliche Dauer; Musik, die am Ohr des Hörers vorüber zieht, stellt daher große Anforderungen an sein Gedächtnis, wenn die als Musikstück und nicht als bloße Abfolge von Klängen erfasst werden soll. Musikalische Formen oder Kompositionsmodelle bilden die Voraussetzung für die Erfassung musikalischer Zusammenhänge,….“ (S. 15)

Musikalischer Ausdruck
Im zweiten Teil geht es um den musikalischen Ausdruck: Sprache und Musik, Musikalische Ausdrucksmittel, Musikalische Dramaturgie: „Musik ist in der Lage, Personen so zu charakterisieren, dass ihre Handlungsweise folgerichtig und verständlich erscheint, denn durch Musik kann auch das ausgedrückt werden, was mit Worten nicht gesagt werden kann. […] Oft werden wichtige musikalische Details wie eine besondere melodische Wendung, ein plötzlicher dynamischer Akzent oder eine rhythmische Variation, eine unvollständige Kadenz, ein Wechsel der Tonart oder eine harmonische Verschiebung, oder auch eine unerwartete Instrumentierung nicht bewusst wahrgenommen. Doch genau dies sind die Mittel, welche der Musik Ausdruck und dramatische Kraft verleihen.“ (S. 111). Auch hier werden die besprochenen Aspekte mit detaillierten Musik-Beispielen untermalt.

Oper und Musikdrama
Im dritten Teil "Oper und Musikdrama" werden aufbauend auf den ersten beiden Teilen mehr als vierzig Opern ausführlich analysiert. Beginnend mit den Anfängen der Oper im frühen 17. Jhd. bis hin zum späten 20. Jhd. Falls jemand von euch interessiert daran ist, ob bestimmte Opern/ Komponisten in dem Buch besprochen werden, könnt ihr mich gerne per Kommentar oder Mail (opernblog(ät)gmail.com) danach fragen - aber ich denke es würde den Rahmen sprengen, wenn ich hier alle aufzähle. ;)



Details:
Martin Klessinger
"O wie ängstlich, o wie feurig,..." 
Form und Ausdruck in der Musik der Oper von Monteverdi bis Rihm
agenda Verlag, Münster
<Seit kurzem auch als e-Book für 9,99 EUR erhältlich!>

Samstag, 12. November 2011

Franz Schubert - Streichquintett

Isch hab ne neue Pladde! :D Hab sie zu meinem neulich stattgefundenen Geburtstag geschenkt bekommen. 

Zu hören ist auf dem guten Stück Franz Schubert - und genauer sein Quintett in C-Du, D. 956 für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli. Gespielt wird das Ganze vom Alban Berg Quartett. Tja, da mag man sich zunächst fragen, wie ein Quartett – und sei es noch so genial – ein Quintett spielen will, doch die Antwort ist recht simpel: sie haben sich einen Gast-Musiker ins Boot geholt.


Laut Wikipedia sagt Kritikerpapst Joachim Kaiser folgendes über das Stück: „Vor Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur verneigen sich alle Menschen, denen Musik, Kammermusik gar, etwas bedeutet, glücklich bewundernd – oder sie schwärmen. Das Werk nimmt einen singulären Platz in Schuberts Schaffen, ja gar in der Musikliteratur ein. Es ist rätselhaft, und es ist vollendet … Mit Worten kann kein Mensch das tönende Mysterium dieses Werkes völlig enträtseln oder auf Begriffe bringen.“

Große Worte! Und es ist leider auch schon eine ganze Weile her, dass ich das Streichquintett vollständig und nicht nur satzweise auf CD gehört habe – geschweige denn live…. Öhm, das war – glaube ich – in der Bremer Glocke vor zwei oder drei Jahren. Und da das ein ernstzunehmender Frevel ist und auch weil ich nach etwa einer Woche konsequentem Ignorieren diverser Erkältungssymptome nun endgültig krank bin, werde ich mich jetzt auf’s Sofa hängen und die CD ausgiebig hören…..
..

Mittwoch, 5. Januar 2011

CD: David Fray - Mozart

©Sarah-Maria
Ist zwar ein bisserl Off-Topic, weil es sich hierbei nicht um Oper handelt, sondern um zwei Klavierkonzerte von Mozart (22 & 25), aber was soll’s - ich hab die CD immerhin neu! ;)

Zunächst mal zu den Äußerlichkeiten: Das Cover ist hübsch, mit kunstvoll in Szene gesetzten Händen des Pianisten und ohne viel SchnickSchnack. Doch inhaltlich finde ich das Booklett ehrlich gesagt grenzgradig peinlich: erst vor zwei Tagen habe ich David Fray in einem Bericht auf 3sat über die blinde Vermarktung der Klassik schimpfen hören - in der nur Jugend, Aussehen und medienwirksamer Charme zählt. Mal abgesehen davon, dass er diese Kriterien recht akkurat ausfüllt, erfüllt er noch ein weiteres Kriterium, nach dem der Klassikmarkt seit ihm und ihren Käufern vorgeworfen wird auch nicht besser als diverse Castingshows zu sein, nahezu lechzest: der gute alte Intellekt. Ein Pianist mit Köpfchen musste also her. Und so bekommt man im ersten Absatz eines jeden Berichts über Herrn Fray unmissverständlich klar gemacht, dass der Junge quasi schon im Kindergarten Hegel und Kant gelesen hat -  womit die Sache  ja wohl ein für alle Mal geklärt zu sein hat und das altehrwürdige Kunstverständnis aller Klassikhörer gerettet sein dürfte. Kategorisch zugehörig zur philosophischen Gemeinschaft, interessieren Davids philosophische Gedanken zur Musik auch niemanden. Hauptsache sie klingen in einem Meer von  schörkeligen Adjektiven und zwei drei Andeutungen Richtung irgendwie Philosophie im Booklett mit.

Tja, dumm nur, dass ich ihn – ob als Werbeopfer oder mündiger Käufer sei mal dahingestellt – wirklich gerne mag. Seine Bach und Schubert CD steht auch schon bei mir im Plattenschrank und zudem war ich auf seinem wohl ungewöhnlichsten Konzert seit seinem Dasein als Klassik-Star: am 16.04.2010 spielte David Fray himself Mozart, Bach und Mendelssohn-Bartholdy im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe. Mit seinen wunderhübschen mintgrünen Sitzbezügen und violettem Samtvorhang dürfte es jedem gewöhnlichen 70iger-Jahre-Bau-Kritiker sofort die Sprache verschlagen. Und  wer sich jetzt fragt wo eigentlich Lingen ist, bewege seinen Blick auf der Deutschlandkarte zur niederländischen Grenze ins südliche Emsland - genau dahin wo sonst nix außer Moor ist.

©Sarah-Maria
Angesichts dieses Klassik-Highlights im kleinen Lingen, dürfte man  aufgrund der Tatsache von  Herrn Frays mitunter schonmal ausverkaufen Konzerten in diversen Klassik-Metropolen sowie extrem günstigen Kartenpreisen (erste Kategorie = unter 30 EUR!!!!)  doch schon annehmen, dass das Theater mit seinen mageren 753 Plätzen restlos ausgelutscht war. Pustekuchen: in den Seitenflügeln herrschte gähnende Leere und das Mittelschiff war jetzt auch nicht grad völlig überrannt….. Er spielte, die Leute klatschten und anschließend gingen alle nach Hause. Kein Bravo, kein frenetisches Jubeln – es hätte auch das allsonntägliche Konzert in der unweit entfernten Kreuzkirche sein können. Man konnte die Fragezeichen über seinem penibel vermarkteten Kopf förmlich sehen….. Damit wäre  das Lingener Publikum als wahres Bollwerk gegen die PR-Maschinerie ja wohl gekürt ;)

P.S.: Die CD ist super! ;)